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2018. The Earth Dies Screaming

Premiere 17. März 2016, in der Gebläsehalle im Landschaftspark Nord, Duisburg
Mit Philine Bührer, Sabine Osthoff, Manuel Sieg und dem Klangkraft Orchester Duisburg
Inszenierung Jens Kerbel und Jennifer Whigham
Musikalische Leitung
Hao-An Henry Cheng
Dramaturgie Kristina Wydra

„An der Nordfront läuft diesen Sommer eine vernichtende Offensive. Feindliche Kräfte haben große Geländegewinne erzielt, jede Woche verlieren wir 22.000 Quadratmeilen arktischen Eises. … Im Pazifik gelang dem Feind dieses Frühjahr auf Tausenden von Meilen ein großer Durchbruch, als er einen vollen Angriff auf die Korallenriffe startete. Und Tag für Tag, Woche für Woche begehen Saboteure hinter den Linien brilliante Attacken: Vor ein paar Monaten entfachte unser Feind eine Feuersbrunst in Kanada, die uns zur Evakuierung einer 90.000-Einwohner-Stadt zwang. …“

 Wir befänden uns mitten im Krieg, dem Krieg gegen den Klimawandel, und um noch einen Sieg zu erringen, müssten wir schleunigst umdenken, uns mobilisieren und solidarisieren – das erklärte der amerikanische Publizist Bill McKibben im August letzten Jahres. Überspitzt erklärt er den Kampf gegen den Klimawandel, in einem Essay im US-Magazin New Republic, zum Dritten Weltkrieg und knüpft an die Provokation die Frage, was wäre, wenn nicht wir alle die Ursache für die Erderwärmung wären, sondern ein böser, feindlicher Diktator dahinter stünde? Wäre dann nicht schon längst eine weltweite Mobilisierung ungeahnten Ausmaßes im Gange?

Fakt ist, dass das Erreichen der im Pariser Klimaabkommen gefassten Ziele schon jetzt nur noch mit einer globalen Kraftanstrengung zu erreichen ist und ein generelles Umdenken im Hinblick auf unsere Wirtschaftssysteme und unseren Lebenswandel erforderlich macht. Aber sind wir bereit dafür? Die Gegenstimmten, die die Erderwärmung oder den Kampf um Wasser als Ammenmärchen abtun wollen, sind zahlreich und haben mit Donald Trump eine besonders prominente Gallionsfigur an vorderster, internationaler Front. Was kümmert uns der Rest des Globus’? Welche Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen? Derlei Fragen sind virulent wie nie und wir müssen uns ihnen – wohl oder übel – stellen.

In einer szenisch/musikalischen Collage begibt sich das Regieteam um Jens Kerbel und Jennifer J. Whigham, gemeinsam mit dem Klangkraft Orchester, unter der musikalischen Leitung von Hao-An Henry Cheng, in das Spannungsfeld Mensch – Natur, geht, in Anlehnung an das Thema der Akzente 2018 „Nie wieder Krieg?“, der Frage nach, ob wir uns nicht tatsächlich schon längst wieder in einem Krieg befinden, und erforscht, was übrig ist vom romantischen Idealbild des Menschen als Krone der Schöpfung, im Einklang mit sich und der Welt.

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